Yoga Inspiration

"I have started listening to the teaching of my soul" - das versuchen wir Yogis immer wieder. Mal gelingt es uns gut, manchmal aber auch weniger gut. Dann suchen wir Inspiration in Form von weisen Worten eben doch gerne in Büchern. Ein gutes Buch ist etwas Wunderbares!

 

Ab sofort möchte ich hier auf meiner Webseite mit euch teilen, wer oder was mich inspiriert, denn in den Yoga-Unterricht lässt sich nur wenig davon integrieren. Wer also neben der (so essentiellen) Yoga-Praxis gerne tiefer in die Lehre des Yoga eintauchen möchte, werfe regelmäßig einen Blick auf diese Seite.

 

Ich freue mich über regen Gedankenaustausch auf allen Kanälen!


Wer meine Yogastunden besucht, weiß dass es in meinem Unterricht weniger um die genaue Ausrichtung in den einzelnen Asanas geht, sondern vor allem um die mentalen Aspekte während des Yoga übens. Der ungeübte Geist (also unsere Gedanken bzw. unser Verstand) ist in der Regel rastlos, so dass ein endloser innerer Monolog stattfindet. Unsere Gedanken stehen in engem Zusammenhang mit unseren Gefühlen, genauer gesagt resultieren unsere Gefühle oftmals aus unseren Gedanken. Das gilt sowohl für den Moment - als auch ganz grundlegend. Unsere Sicht auf die Dinge bestimmt unser Lebensgefühl. Dieses Konglomerat aus Gedanken und Gefühlen spiegelt unser Körper wider. Bei überwiegend negativen Gedanken u.a. durch Verspannungen, Schmerzen, Schlaflosigkeit oder auch Atemnot, akuten oder gar chronischen Krankheiten. 
In unserer westlichen Gesellschaft sind wir es gewohnt, Symptome zu unterdrücken - nicht selten durch Medikamente. Wir kämpfen häufiger gegen die Signale unseres Körpers als auf diese zu hören. 
Es gibt alternative Ansätze im Gesundheitswesen (allen voran die TCM), die körperliche und seelische Zusammenhänge erkennen und deren Therapieansatz umfassender ist. Wenn man jedoch berücksichtigt, dass unsere Gedanken zu einem großen Teil Ursache für körperliches Befinden sind, braucht es einen Ansatz, der noch tiefer an die Wurzeln reicht.
Yoga setzt genau hier an. Der erste Schritt ist, die eigenen Gedanken zunächst einmal zu beobachten. Das gelingt in der Regel zu Beginn nur kurz, dann verselbständigt sich der Geist wieder und "denkt so vor sich hin". Je öfter man diesen Gedankenstrom unterbricht, desto besser kann man wahrnehmen, welcher Natur die eigenen Gedanken sind. Die meisten von ihnen drehen sich um die Zukunft (nicht nur die ferne, sondern vor allem auch die nahe Zukunft: Was koche ich heute Abend? Was muss ich noch erledigen?), die Vergangenheit (Erinnerungen an Konflikte des vergangenen Tages, Gespräche, Erlebnisse) oder sind Bewertungen von Situationen oder Mitmenschen. Nur ganz selten nehmen wir den jetzigen Moment in all seinen Facetten wahr.
In der Yogastunde üben wir, genau diese selbständigen Bewegungen des Geistes wahrzunehmen und (zunächst für kurze Zeit) auszusteigen aus dem Gedankenkarusell. Dies gelingt relativ leicht, indem wir die Aufmerksamkeit in unseren Körper lenken. Die Atmung bewusst wahrzunehmen, sich deren lebenswichtige Funktion für den eigenen Körper vorzustellen, wie der Sauerstoff jede Zelle des Körpers mit lebenswichtiger Energie versorgt, ist ein guter Einstieg, um "auszusteigen".
Wie sehr dieses Beobachten der eigenen Gedanken und Aussteigen aus dem endlosen Gedankenstrom zur Steigerung unserer Lebensqualität beiträgt, beschreibt Eckhart Tolle auf ganz faszinierende Weise in seinem Buch "Leben im Jetzt". Im Folgenden ein paar Ausschnitte aus dem Buch:

"Die Freiheit beginnt mit der Erkenntnis, dass du nicht das Wesen bist, das in dir denkt. In dem Augenblick, in dem du beginnst, 'den Denker in dir' zu beobachten, wird eine höhere Bewusstseinsebene aktiviert. Du erkennst einen unendlich großen Intelligenzbereich jenseits des Denkens, von dem das Denken nur ein winziger Bruchteil ist. Du erkennst auch, das alles, was wirklich von Bedeutung ist - Schönheit, Liebe, Kreativität, Freude, innerer Friede - seinen Ursprung jenseits des Verstandes hat.

 (...)

Statt 'den Denker zu beobachten', kannst du den Gedankenstrom auch unterbrechen, indem du deine Aufmerksamkeit auf das Jetzt richtest. Werde dir einfach des gegenwärtigen Augenblicks vollkommen bewusst. Das ist etwas sehr Befriedigendes. Auf diese Weise kannst du dein Bewusstsein vom Denken abziehen und eine Lücke des Nichtdenkens schaffen, in der du hellwach und voll bewusst bist, ohne zu denken. Das ist das Wesen der Meditation. (...)

Während du aufwuchst, festigte sich in dir durch persönliche und kulturelle Konditionierung, eine geistige Vorstellung davon, wer du bist. Nennen wir dieses Phantomselbst das Ego. Es besteht aus Verstandesaktivitäten und kann nur durch unablässiges Denken in Gang gehalten werden. Der Begriff Ego hat für jeden eine andere Bedeutung. Ich meine damit das falsche Selbst, das durch die unbewusste Identifikation mit dem Verstand entsteht. Für das Ego existiert der gegenwärtige Augenblick kaum. Nur Vergangenheit und Zukunft haben Geltung. An dieser totalen Verkehrung liegt es, dass der Verstand im Ego-Modus so unbefriedigend funktioniert. Er beschäftigt sich unentwegt damit, die Vergangenheit lebendig zu erhalten (...) und er projiziert sich immer wieder selbst in die Zukunft, um sicherzustellen, dass er weiterlebt, und eine gewisse Erleichterung oder Befriedigung darin zu finden. Er sagt: 'Eines Tages, wenn dieses oder jenes passiert, wird alles in Ordnung sein, und dann werde ich glücklich und in Frieden leben.'

 

Der Ursprung der Angst

Der psychische Zustand der Angst steht mit keiner konkreten, echten, unmittelbaren Gefahr in Zusammenhang. Er äußert sich in unterschiedlichster Form: als Unbehagen, Sorge, Unruhe, Nervosität, Anspannung, Schrecken, Phobie usw. Diese Art von psychischer Angst ist nicht durch etwas begründet, was gerade geschieht, sondern durch etwas, das möglicherweise geschehen könnte. Du bist im Hier und Jetzt, während deine Gedanken in der Zukunft weilen. Dadurch entsteht eine Blase, die sich mit Angst füllt. (...) Solange du dich mit deinen Gedanken identifizierst, wird dein Leben vom Ego beherrscht. Da das Ego seinem Wesen nach nur ein Phantom und trotz ausgeklügelter Abwehrmechanismen sehr unsicher und verletzlich ist, fühlt es sich ständig bedroht.

 

Selbst (...) das zwanghafte Bedürfnis, bei einem Streit Recht zu behalten und dem Kontrahenten klar zu machen, dass er Unrecht hat, stellt eine Verteidigung der Geisteshaltung mit der du dich identifizierst, dar. (...) Dein Ego kann es sich nicht leisten, Unrecht zu haben. (...) Sobald du jedoch aufhörst, dich mit deinem Denken zu identifizieren, spielt es für dein Selbstgefühl überhaupt keine Rolle mehr, ob du im Recht oder Unrecht bist. Das starke, zwanghafte, tief unbewusste Bedürfnis, Recht zu behalten, das eine Form von Gewalt darstellt, ist wie weggeblasen. Dann kannst du klar und deutlich sagen, was du empfindest oder denkst, ohne dabei aggressiv zu werden oder eine Abwehrhaltung einzunehmen. In diesem Fall entspringt dein Selbstgefühl nicht deinem Denken, sondern einer tieferen Wahrheit im Inneren."

 

"Das Herz des Yoga" - der Titel trifft auf den Punkt, worum es in diesem Buch geht: um die Essenz, das Kernstück des Yoga. Max Strom beschreibt keine einzige Asana oder gar Übungssequenz - er fasst vielmehr in Worte, was Yoga in unserer heutigen Zeit bedeutet, was er mit uns macht. Zudem beschreibt er gut, was der Außenstehende, der (noch) nicht Yoga-Übende oft fälschlicherweise vom Yoga denkt.

 

"Manchmal höre ich Leute sagen: 'Ich kann kein Yoga, ich bin nicht gut darin.' Damit meinen sie in der Regel: 'Ich bin zu steif.' Denken Sie daran, bei Yoga geht es nicht nur um Gelenkigkeit und Körperstellungen.

Stellen Sie sich zwei Personen vor, die nebeneinander üben. Die eine ist steif und müht sich mit einer Körperstellung ab, tut sich schwer, lässt sich davon aber nicht beeindrucken. Vielmehr fühlt sie sich in diesem schwierigen Moment ruhig und gelassen, im tiefen Atem zentriert. Die Person daneben kann zwar ihre Beine um den Hals wickeln, atmet aber unregelmäßig, hat negative Gedanken. Wessen Praxis ist die bessere? Gelenkigkeit ist nicht das Ziel, sie ist ein Nebeneffekt. Die Körperstellungen sind das Floß, um auf die andere Seite des Flusses zu gelangen. Aber es ist kein Wettbewerb. Wir wollen einfach nur auf die andere Seite des Flusses - das ist das Ziel. Wenn Sie zur Freude finden und ein sinnvolles Leben leben , dann werden Sie gut im Yoga.

 

Die meisten Leute kommen zum Yoga, um ihren Körper zu heilen - ihren Rücken, ihre Knie usw. - und es funktioniert; aber das ist es nicht, warum sie Jahr um Jahr zurückkommen. Sie kommen wieder, weil Yoga ihr Leben heilt. (...) Für den Neuling scheint Yoga in erster Linie eine körperliche Sache zu sein, als soche wird sie oft missverstanden.Oberflächlich betrachtet, scheint es sich hier um eine Praxis zu handeln, bei der man den Körper auf bestimmte Haltungen einnehmen lässt und sie dann wieder auflöst, doch dies ist ein gewaltiger Irrtum.

Stellen Sie sich einen Menschen vor, der weder lesen noch schreiben kann und auch noch nie etwas von einem Buch gehört hat. Stellen Sie sich weiterhin vor, dass dieser Mensch auf eine Frau stößt, die auf einer Parkbank sitzt und einen tief berührenden Roman liest. Er würde nur eine Frau wahrnehmen, die sehr still auf einer Bank sitzt, uf einen viereckigen Gegenstand starrt und offensichtlich nichts tut. Er nimmt dies so wahr, weil er nicht in den Geist und das Herz der Leserin sehen und erleben kann, was diese erlebt. Ganz ähnlich würde ein Mensch, der gar nichts über Yoga weiß und durchs Fenster einem Yogaunterricht zuschaut, augenscheinlich nur einem 'Gymnastikunterricht' zusehen. Und weil er Erfahrung mit Sport und Tanzen hat, wäre das auch eine logische Annahme. Aber diese Annahme wäre überaus unzutreffend. Das, was letztlich die Macht und Kraft des Yoga ausmacht, ist für das physische Auge nicht wahrnehmbar."

 

Die im Untertitel des Buches genannten "drei Säulen der Transformation" stellen laut Max Strom ein System der persönlichen Weiterentwicklung auf den folgenden drei Ebenen dar:

- mental

- emotional

- physisch

"Wir alle haben unseren Schwerpunkt in einem dieser Zentren und sind in den anderen beiden unterentwickelt. Stellen Sie sich zum Beispiel einen Intelektuellen vor, der sich kaum um den Körper kümmert und unbeholfen und linkisch im Ausdruck von Gefühlen ist. Dieser Typus hat zutiefst einseitig seinen Schwerpunkt im mentalen Zentrum. Er mag in intellektuellen Angelegenheiten hervorragend sein und viel Geld verdienen, aber in den Bereichen von persönlichen Beziehungen und Gesundheit wird er oft verkümmert sein und sich letztlich unerfüllt verzweifelt einsam fühlen.

 

Die meisten von uns streben nach einer Lebensweise, die unseren Typus bestärkt und nährt und verteidigen sie. Zudem haben viele die Neigung, den Aktivitäten der anderen Typen aus dem Weg zu gehen und sie sogar ins Lächerliche zu ziehen. Das gilt auch für spirituell Suchende. Alle drei dieser Charaktere leben im Ungleichgewicht.

 

 

Mentaler Typus

Es gibt nicht wenige Suchende vom mentalen Typus, die auf einem spirituellen Weg sind und auf Körperübungen verächtlich herabsehen; sie fühlen sich stattdessen von hochgeistigen Beschäftigungen und von Meditation angezogen. (...)

 

Emotionaler Typus

Suchende, die ihren Schwerpunkt im emotionalen Zentrum haben, neigen dazu, sich dem Gebet, der sakralen Musik und der sakralen Kunst zuzuwenden. (...) Wenn Sie zu diesem Typus gehören, fühlen Sie sich zu Körperübungen nicht gerade gedrängt, und Sie können auch aufgrund Ihrer lustbetonten Natur unter suchthaftem Verhalten (...) leiden. Sie sin doft nicht geerdet und können unzuverlässig sein.

 

Physischer Typus

Dann gibt es die, die vom Hatha Yoga (Anmerkung: das ist physische Form des Yoga, also alle Körperübungen) als das Höchste an Körperdisziplin angezogen werden und glauben, dass er das vollständige spirituelle Erwachen herbeiführen wird. Solche Typen meiden oft das Arbeiten mit den Gefühlen oder Geistesdisziplinen wie Meditation und tun sie als bedeutungslose Theorie ab. Von den drei Gruppen sind diese Charaktere die körperlich Fittesten, legen aber oft eine rastlose Natur an den Tag, die zu Schlaflosigkeit, Problemen im Umgang mit Ärger und Zorn, zu Ängsten, nächtliche Zähneknirschen usw. führt. (...)"